Cybercrime: „Die größte Gefahr ist das eigene Verhalten“

 

Teil 1 des Interviews mit Hans-Wilhelm Dünn, Generalsekretär des Cyber-Sicherheitsrat Deutschland e.V.

Je nach Studie sind aktuell 30 bis 50% der Deutschen schon Opfer von Internetkriminalität geworden. Im ersten Teil unseres Interviews erklärt Hans-Wilhelm Dünn, Generalsekretär des Cyber-Sicherheitsrat Deutschland e.V., wie es zu dieser Entwicklung kommt, wovor sich Privatnutzer in Acht nehmen müssen und wer hinter den zunehmenden Angriffen steckt.

Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik gibt es eine rapide Zunahme von Cybercrime in Deutschland. Worauf führen Sie die Entwicklung zurück?

Diese Entwicklung wird von mehreren Faktoren begünstigt. Einerseits bietet der Cyber-Raum viele Möglichkeiten, Spuren zu verwischen und als Straftäter anonym zu bleiben. Andererseits gibt es mittlerweile teils hoch entwickelte Cyber-Waffen, deren Quellcode – also die „DNA“ der Schadsoftware – beliebig angepasst und sogar von weniger IT-begabten Personen angewandt werden kann. Außerdem ist die Gewinnspanne relativ hoch: Mit wenig Aufwand kann viel Schaden angerichtet, beziehungsweise hoher Gewinn erzielt werden. Eine „Vermischung“ von konventioneller Kriminalität und den Möglichkeiten des virtuellen Raums bietet sich also an. Es ist nicht verwunderlich, dass Cybercrime mittlerweile den internationalen Drogenhandel als lukrativste Form der organisierten Kriminalität abgehängt hat.

Wie hoch ist der Schaden, der durch Internetkriminalität in Deutschland jährlich verursacht wird?

Es gibt unterschiedliche Statistiken und unterschiedliche Bezugsgrößen sowie eine hohe Dunkelziffer. Was den jährlichen Gesamtschaden an der deutschen Wirtschaft betrifft – inklusive Folgeschäden in Form von Reputationsverlust oder Produktionsstillstand – befinden wir uns in einem Bereich von knapp 60 Milliarden Euro. Durch die fortschreitende Digitalisierung aller Lebensbereiche und der parallel dazu verlaufenden Professionalisierung der Cyberkriminalität ist in Zukunft von einer noch höheren Schadenssumme auszugehen.

Was sind heute die größten Gefahren für private Nutzer im Internet? Und wer ist besonders gefährdet?

Die größte Gefahr für private Nutzer im Internet ist das eigene Onlineverhalten. Wer unbedacht Mailanhänge öffnet und leichtsinnig persönliche Angaben oder Log-in-Daten preisgibt, braucht sich über einen Malwarebefall nicht wundern. Das Problem dabei ist, dass dieses fahrlässige Verhalten in der Regel auch am Arbeitsplatz praktiziert wird. Dort gefährdet man dann allerdings nicht nur sich selbst, sondern das IT-System des Unternehmens. Ein hohes Level an Cyber-Hygiene in der Belegschaft ist mittlerweile ein unverzichtbarer Bestandteil jeder IT-Sicherheitsarchitektur.

Die Kriminellen im Internet sind ja sehr kreativ, wenn es darum geht neue Abzock-Maschen zu entwickeln. Worauf sollten Internetnutzer zurzeit besonders achten?

Internetnutzer sollten sich vor allem bewusst sein, dass Phishing-Mails immer authentischer werden und auf den ersten Blick oftmals kaum als solche identifizierbar sind. Weder Kreditinstitute noch Onlineshops hätten allerdings Grund, persönliche Daten oder Passwörter zu erfragen. Gerne täuschen Internetkriminelle in diesen Mails Szenarien vor, die zu raschem Handeln drängen sollen, wie zum Beispiel Mahnungen oder Sperrungen der Nutzerkonten.

Wer sind die Täter beim Cybercrime? Handelt es sich mehrheitlich um Einzeltäter oder organisierte Kriminalität?

Während sich die Angriffsvektoren diversifizieren, werden auch die Cyberkriminellen heterogener. Hinter großangelegten Angriffen wie WannaCry vermutet man etwa Hackerkollektive. Diese Gruppierungen handeln wiederum finanziell, ideologisch oder politisch motiviert. Es gibt aber natürlich auch Einzeltäter.

Im zweiten Teil des Interviews erklärt Dünn, wie deutsche Sicherheitsbehörden organisiert sind, was die Politik bezüglich Internetkriminalität angehen muss und wie sich Privatnutzer konkret schützen können.

Erfahren Sie, wie Sie der INTER CyberGuard vor den Gefahren des Internets schützen kann:

Jetzt informieren!

Passend zum Thema