Cybercrime: #deletefacebook - sinnvoll oder naiv?

 

In unserem Interview vertrat Vertriebs- und Social-Media-Experte Martin Müller eine klare Position bezüglich der Reaktion auf den Facebook-Datenskandal: „Den Facebook-Account kurzfristig zu löschen, halte ich für sehr naiv.“ Hier fassen wir übersichtlich zusammen, wie Müller zu dieser Position kommt.

Mitte März wurde bekannt, dass massenhaft persönliche Nutzerdaten von Facebook an einen Wissenschaftler und von dort an die umstrittene Beratungsfirma Cambridge Analytica flossen. Viele Nutzer verkündeten daraufhin unter dem Hashtag #deletefacebook ihren Abschied aus dem sozialen Netzwerk. Für Martin Müller sprechen folgende Punkte gegen diesen Schritt:

  • Nutzer würden nicht mit Geld zahlen, sondern mit persönlichen Daten, die der Dienst an Werbetreibende verkaufe. Das wisse der Nutzer. Er lasse sich freiwillig auf den Deal ein. Inwiefern das soziale Netzwerk Nutzerdaten auswertet und kommerziell nutzt, sei ohnehin nicht vollständig abzusehen.
  • Das soziale Netzwerk bringe unzählige Möglichkeiten für die Kommunikation. Wer diese Vorteile nutzen will müsse bereit sein, den notwendigen „Preis“ zu zahlen. Im Falle von Facebook bedeute das die Weitergabe persönlicher Daten. Müller schreckt das nicht ab: „Ich freue mich, wenn die Werbung personalisiert ist. Ob mein Nutzerverhalten dort analysiert wird, ist für mich persönlich nicht relevant.“
  • Es gebe nur einen Weg, um die eigenen Daten wirklich zu schützen: sie nicht preisgeben – nicht bei Payback, nicht bei Facebook, bei keinem Online-Anbieter. Das bedeute jedoch den Rückschritt „zum analogen Leben“ ohne die Vorteile moderner, digitaler Kommunikation.

Facebook oder kein Facebook? Das ist für viele Nutzer aktuell die Frage.

Individuelle Abwägung

Für Müller steht fest: Eine Garantie für den Datenschutz bringt nur der vollständige Verzicht auf die sozialen Medien und ihre digitalen Kommunikationswege. Jeder muss für sich entscheiden: Will ich die Digitalisierung nutzen und nehme das damit einhergehende Datenschutzrisiko in Kauf? Oder bin ich nicht bereit, diesen Preis zu zahlen? Ist letzteres der Fall, bleibt allein der Rückzug aus den sozialen Medien und die Rückkehr zum analogen Leben. Jeder hat die freie Wahl.

Was sagen Andere?

Alexander Grau erläutert bei Cicero, warum dieser Rückzug seiner Ansicht nach notwendig ist. Sebastian Beck von der Süddeutschen Zeitung spricht sich in seinem Kommentar klar dafür aus, den eigenen Account zu löschen. Sascha Lobo plädiert in seiner SPON-Kolumne dafür, das soziale Netzwerk von Mark Zuckerberg als Ganzes zu hinterfragen. Wichtig sei es, die Effekte auf die Gesellschaft zu untersuchen.

Welche Daten Sie freiwillig an WhatsApp, Facebook & Co. abgeben, erfahren Sie im entsprechenden CyberBlog-Beitrag. Möchten Sie sichergehen, dass Ihnen durch Daten- und Identitätsdiebstahl kein finanzieller Schaden entsteht?

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