Cybercrime: So melden Sie Internetbetrug und Online-Fallen

 

Interview mit Thorsten Behrens, Projektleiter Watchlist Internet

Im CyberBlog berichten wir regelmäßig über verschiedenste Maschen von Internetkriminalität. Ein Dienst, der sich tagtäglich damit beschäftigt, ist die „Watchlist Internet“. Wie die Website Internetnutzern im Umgang mit Betrug im Netz hilft und vor was Sie sich derzeit besonders in Acht nehmen sollten, erklärt Thorsten Behrens, Projektleiter Watchlist Internet im Interview.

Wie lange gibt es die Watchlist Internet schon, was ist Ihre Aufgabe und welches Ziel verfolgen Sie?

Die Watchlist Internet gibt es seit Juli 2013. Sie ist entstanden, weil es beim Internet Ombudsmann, der außergerichtlichen Streitschlichtungsstelle für Online-Themen, immer mehr Beschwerden über Betrugsfälle gab. Eine Schlichtung ist bei Betrug aber nicht möglich.

Die Watchlist Internet ist eine unabhängige Informationsplattform zu Internet-Betrug und betrugsähnlichen Online-Fallen aus Österreich. Sie informiert über aktuelle Betrugsfälle im Internet und gibt Tipps, wie man sich vor gängigen Betrugsmaschen schützen kann. Opfer von Internet-Betrug erhalten konkrete Anleitungen für weitere Schritte.

Wir tragen dazu bei, dass Internetnutzer/innen besser über Online-Betrug Bescheid wissen und kompetenter mit Betrugstricks umgehen lernen. Dadurch wird das Vertrauen in die eigene Online-Kompetenz sowie auch das Vertrauen in das Internet insgesamt gestärkt.

Wie können Internetnutzer mit Ihnen Kontakt aufnehmen, um einen Online-Betrug zu melden?

Auf www.watchlist-internet.at gibt es oben rechts eine orange Schaltfläche „Internet-Falle melden“. Das ist der einfachste Weg, uns eine Falle zu melden. Und auch der sicherste Weg, dass die Meldung bei uns ankommt. E-Mails, in denen auf Betrugsfallen hingewiesen wird, werden von Spam-Filtern natürlich immer wieder herausgefiltert.

Wie viele Betrugsfälle werden Ihnen pro Woche gemeldet und wie viele davon veröffentlichen Sie auf Ihrer Plattform?

Über das Meldeformular erhalten wir pro Woche etwa 250 Meldungen. Zu vielen Fallen gibt es zahlreiche Meldungen gleichzeitig. Dadurch können wir gut einschätzen, was aktuell die größten Bedrohungen sind. Zudem geben uns die Beschwerden beim Internet Ombudsmann einen guten Überblick über aktuelle Betrugsfallen.

Pro Woche verfassen wir zwischen 3 und 5 Warnmeldungen. Außerdem ergänzen wir die Listen mit Fake-Shops und Abofallen. Wichtig beim Verfassen der Artikel ist uns, dass die Leser/innen nicht nur erfahren, dass es eine Betrugsfalle ist. Sie sollen auch erfahren, wie man diese und ähnliche Fallen erkennen kann und was man tun kann, wenn man Betrugsopfer geworden ist. Wer sich trotzdem unsicher ist, kann uns über das Meldeformular auch Fragen stellen, die wir individuell beantworten.

Eine höhere Zahl von Warnmeldungen wäre sicher wünschenswert, ist aber für uns als gemeinnützigen Verein, der durch öffentliche Förderungen und private Sponsoren finanziert wird, momentan nicht möglich. Wir verzichten ganz bewusst auf Werbeeinblendungen, da Nutzer/innen, die wenig Erfahrung mit dem Internet haben, die relevanten Inhalte nicht von Werbung unterscheiden können. Diese Nutzer/innen sind aber diejenigen, die am häufigsten auf Betrug hereinfallen.

Was sind aktuell die größten Gefahren für private Nutzer im Internet?

Die häufigsten Fallen von denen private Nutzer/innen betroffen sind, sind Fake-Shops, Markenfälschungen, Abo-Fallen und Identitätsdiebstahl. Bei Fake-Shops und Markenfälschungen ist meistens eine übertriebene Schnäppchenjagd der Grund, auf betrügerische Seiten hereinzufallen. Allerdings beobachten wir momentan, dass Betrugsshops professioneller werden und dadurch schwerer zu erkennen sind. Bei Abo-Fallen und Identitätsdiebstahl wird meistens die Unwissenheit oder mangelnde Erfahrung von Nutzer/innen ausgenutzt.

Wie hat sich die Internetkriminalität bezüglich Qualität und Quantität in den vergangenen Jahren verändert? Welche Trends sind zu erkennen?

Im Internetbetrug gibt es derzeit wenig wirklich Neues. Die Fallen, die wir momentan beobachten, sind seit zirka zwei Jahren immer dieselben in leichten Abwandlungen. Sie scheinen noch immer zu funktionieren. Lediglich bei Fake-Shops beobachten wir zum Teil eine professionellere Umsetzung, die den Betrug schwerer erkennbar macht.

Worauf sollten Internetnutzer besonders achten, um den Kriminellen nicht in die Falle zu gehen? Haben Sie einen Geheimtipp?

Vor allem gilt: Niemand hat etwas zu verschenken! Wenn etwas zu günstig ist, um wahr zu sein, sollte man genauer hinschauen und im Zweifel nicht bestellen. Zur Überprüfung hilft oft, dass man in einer Suchmaschine nach dem Shop-Namen sucht und dazu z.B. die Worte „Problem“ oder „Beschwerde“ eingibt. Erhält man viele negative oder gar keine Einträge, sollte man nicht bestellen.
Am einfachsten findet man einen seriösen Online-Shop über unabhängige Gütesiegel wie dem EHI-Siegel oder dem Österreichischen E-Commerce-Gütezeichen. Shops, die dort aufgelistet sind, werden regelmäßig überprüft. 
Wenn man irgendwo nach persönlichen Daten gefragt wird, sollte man auch sehr vorsichtig sein. Banken fragen z.B. niemals per Mail oder am Telefon nach irgendwelchen persönlichen Daten oder Zugangsdaten.

Ein neuer Ansatz, um Gefahren aus dem Netz zu begegnen, sind Cybercrime-Versicherungen. Halten Sie solche Angebote für sinnvoll?

Cybercrime-Versicherungen können eine sinnvolle Absicherung sein, wenn man im Internet sehr aktiv ist oder wenn man sich unsicher fühlt. Allerdings müssen Nutzer/innen aufpassen, dass sie sich dadurch nicht zu sicher fühlen und von einer Falle in die andere tappen. Denn den Ärger, den man beispielsweise mit Strafverfolgungsbehörden hat, wenn Kriminelle mit einer Ausweiskopie auf der ganzen Welt Straftaten begehen, kann man leider nicht versichern.

Welcher war der außergewöhnlichste Fall von Internetkriminalität, der Ihnen bislang untergekommen ist?

Ein Fall, der mich besonders beschäftigt, ist der eines Mannes, der auf Identitätsdiebstahl hereingefallen ist und eine Kopie seines Personalausweises versendet hat. Mit dieser Kopie werden irgendwo auf der Welt immer wieder teure Online-Einkäufe wie z.B. Autos oder Yachten getätigt. Regelmäßig steht dann die Polizei vor der Tür des Mannes und er muss klären, dass er diesen Einkauf nie getätigt hat. Ein finanzieller Schaden ist dem Mann zwar nicht entstanden, aber es belastet ihn heute, vier Jahre später, noch immer.

Einen besonders dreisten Fall fand ich ein Schreiben eines Anwalts, der uns aufgefordert hat, eine Warnung vor einem Fake-Shop von der Watchlist Internet zu nehmen, weil das ein seriöser Shop sei. Bei der Veröffentlichung von Fake-Shops sind wir uns immer ganz sicher, so dass wir der Aufforderung nicht nachgekommen sind. Später hat sich auch noch herausgestellt, dass das Anwaltsschreiben gefälscht war und der Name einer renommierten Kanzlei missbraucht wurde.

Erfahren Sie, wie Cyber-Versicherungen Schäden durch Online-Betrug verhindern können:

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