Cybermobbing: „Eltern sollten das Thema sehr ernst nehmen“

 

Teil 1 des Interviews mit Medienwissenschaftler und Psychologe (M.A.) Nils Mecklenburg

Immer mehr Menschen werden Opfer von Beleidigungen, Spott und Häme im Internet: Cybermobbing wird zum Massensport! Besonders für die jüngeren Internetnutzer sind die Folgen häufig dramatisch. Wie sich Kinder und Jugendliche schützen sollten, was Eltern tun können und welche Rolle die Schulen spielen, erklärt Nils Mecklenburg im ersten Teil unseres Interviews.

Verfolgt man die mediale Berichterstattung, gewinnt man den Eindruck, dass die Fälle von Cybermobbing bei Kindern und Jugendlichen rapide zunehmen. Deckt sich dieser Eindruck mit Ihren Beobachtungen?

Diesen Eindruck habe ich auch - Kinder und Jugendliche geraten enorm in Bedrängnis, wenn sie über die elektronischen Medien unter Druck gesetzt werden. Sogar Suizide nach Cybermobbing-Attacken sind bekannt.

Gerade bei Kindern ist der Unterschied zwischen einem unbedarften derben Spaß und einer bewussten Schikane von außen nicht immer leicht zu erkennen. Wo würden Sie hier die Grenze ziehen? Ab wann reden wir von (Cyber-)Mobbing?

Schwer zu sagen, die Grenzen sind meines Erachtens fließend. Was ein Kind massiv unter Druck setzt, stellt für ein anderes kein ernstes Problem dar. Die Sensibilität und Bewertung des "Opfers" spielen hier eine wichtige Rolle.

Wie können sich Kinder aktiv vor Cybermobbing schützen und worauf müssen die Eltern achten?

Aufklärung und Persönlichkeitsbildung durch Schule und vor allem das Elternhaus sind vital: Je stärker die Persönlichkeit eines jungen Menschen aktiv unterstützt und entwickelt wird und je genauer beide Instanzen das Kind über Gefahren und Risiken der elektronischen Medien informieren und aufklären, desto gelassener und professioneller kann ein Kind mit elektronischen Attacken umgehen. Wesentlich ist auch, die Fähigkeit der Kinder, sich entsprechend zu äußern. Hierbei sind Kommunikationstrainings oder passende Medienerziehung hilfreich, die in Schulen von Psychologen oder Sozialpädagogen angeboten werden.

Wie bewerten Sie die Situation der Eltern – Können Sie die Gefahren richtig einschätzen? Wie nehmen sie das Thema Cybermobbing wahr?

Manche Eltern unterschätzen die Gefahr bzw. haben aufgrund eigener Berufstätigkeit wenig Zeit, sich mit dem Thema zu beschäftigen und ihre Kinder ausreichend aufzuklären und zu stärken. Eltern sollten das Thema definitiv sehr ernst nehmen und sich die Zeit nehmen, ihre Kinder darüber aufzuklären. Oftmals werden Medien als "Babysitterersatz" benutzt und Eltern haben schon früh die Kontrolle über das Medienverhalten der Kinder verloren. Wichtig ist auch hier das Gespräch und die "Schulung" über den Umgang mit den Medien, durch die man Kontakt zu anderen "Fremden“ aufbaut. Dann kann die Gefahr ursächlich aufgelöst werden.

Wie wird man zum Opfer? Sind es bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, die von Tätern als Einladung verstanden werden, sind es Verhaltensweisen, Äußerlichkeiten oder andere Dinge?

Wie oben bereits ausgeführt, sind Kinder, die durch ihr Elternhaus und die Schule zum Thema ausreichend informiert und aufgeklärt worden sind und die generell in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gefördert werden, tendenziell weniger gefährdet, hilfloses Opfer von Cyberattacken zu werden. Sensible Kinder und Kinder aus Scheidungsfamilien habe meines Erachtens ein höheres Risiko, unter solchen Attacken zu leiden. Zu beachten ist auch die Gruppendynamik in einer Klasse oder der jeweiligen Kinder-/Jugendgruppe, bei der sich Dominanzen oder "Opferrollen" entwickeln. Das Dazugehörenwollen – eine Zugzwang, der in einer Gruppe ausgelöst wird – kann zu Ursachen für Mobbing führen.

Was sollten Eltern tun, wenn ihr Kind Opfer von Cybermobbing geworden ist? Ist in jedem Fall externe Unterstützung – z.B. durch einen Psychologen – zu empfehlen?

Ja. Das Erlebte zu artikulieren und in Worte zu fassen, hilft und stellt eine systemische Ventilfunktion für den im Kind entstandenen Stress und Druck dar. Wichtig ist, nicht jeder Kinder- und Jugendpsychotherapeut passt zu jedem Kind. Daher sollte das Kind die Gelegenheit bekommen, sich über die probatorischen Sitzungen "seinen" Therapeuten selbst aussuchen zu können. Wahlfreiheit ist gerade auch für Kinder sehr wichtig. Wenn es im Schulverbund eine psychologische Unterstützung gibt, kann das Thema auch erstmal wertfrei im Unterricht thematisiert werden und durch Integration von Tätern/Opfern (je nach Schweregrad) Erkenntnisgewinn bei den Kindern erzielt werden.

Wie sehen Sie die Rolle der Schulen – Wird hier genügend getan, um aufzuklären und zu schützen? Und wo stoßen die Schulen an ihre Grenzen hinsichtlich des Einflusses auf die Kinder?

Das kann man nicht pauschal sagen. Einige Schulen tun sehr viel, haben das Problem erkannt und reagieren mit themaspezifischen Unterrichtssequenzen, Informationsveranstaltungen für Eltern und Schüler adäquat. Andere Schulen wiederum haben die Thematik entweder nicht ausreichend erkannt oder schlichtweg verschlafen. Die Medienaktivitäten gehen ja über die Schulzeit hinaus. Deshalb ist hierbei die Kommunikation zwischen Schulen, Eltern, Vereinen, etc. wichtig. Aufklärung ist immer noch der beste Schutz.

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Im zweiten Teil des Interviews erklärt Nils Mecklenburg, wer die Täter beim Cybermobbing sind, welche Rolle vermeintlich Unbeteiligte spielen und wie ein Versicherungsschutz helfen kann.

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