Cybermobbing: „Netzwerke wie Facebook befeuern Cybermobbing“

 

Teil 2 des Interviews mit Medienwissenschaftler und Psychologe (M.A.) Nils Mecklenburg

Im zweiten Teil unseres Interviews erklärt Nils Mecklenburg, wie Menschen zu Cybermobbing-Tätern werden und welche Faktoren diese Entwicklung begünstigen. Lesen Sie in Teil 1 unter anderem, welche Maßnahmen Kinder, Eltern und Schulen zum Schutz vor Cybermobbing ergreifen können.

Bisher haben wir viel über Opfer von Cybermobbing gesprochen. Wechseln wir die Perspektive: Wie und warum wird ein Kind zum Cybermobbing-Täter?

Das kann mehrere Ursachen haben - manche Kinder genießen möglicherweise die Macht, die ihnen durch das anonyme oder relativ geschützte Verleumden, Belästigen, Bedrängen anderer erwächst. Auch kann es sein, dass ein Kind ganz gezielt in diesem anonymen Rahmen die Grenzen eines bestimmten Kindes bewusst überschreiten möchte. Gruppendynamiken spielen hierbei auch eine große Rolle und Netzwerke wie Facebook befeuern das durch ihre Bedienmöglichkeiten (Einladen, Ausschließen von "Freunden", Teilen von Inhalten an bestimmte Gruppen, etc.).

Gibt es ein typisches Täterprofil oder unterschiedliche Tätertypen?

Möglicherweise haben manche Täter eine Tendenz zu Persönlichkeitsstörungen, wie beispielsweise die narzisstische Persönlichkeitsstörung. Manchmal steckt auch das Motiv dahinter, sich auf diese anonyme oder geschützte Weise an jemandem rächen zu wollen. Auch kann es sich in selteneren Fällen um einen dummen Streich oder eine Art "Mutprobe" handeln, die den oder die Täterin antreibt. Machtwunsch ist ein wesentlicher Aspekt, dazu kommt die Stärkung der eigenen Position in einer Gruppe, um eventuelle Unsicherheiten zu kaschieren.

Handeln die Täter in der Regel aus eigenem Antrieb oder spielt Gruppenzwang die größere Rolle?

Sowohl eigener Antrieb als auch Gruppenzwang oder auch beides gleichzeitig kann für die Täter handlungsmotivierend sein. Eine Einzelhandlung kann in einer Gruppe unterstützt und zusätzlich motiviert werden. Für Einzeltäterschaft bedarf es hierbei einer bereits erlernten kriminellen Energie – was wird mit dem Mobbing erwartet?

Welche Rolle spielen die vermeintlich Unbeteiligten, die das Opfer nicht selbst angreifen, aber als Zuschauer ihre stille Zustimmung geben?

Sie werden als Nicht-Eingreifende ein Stück weit zu Mitwirkenden und Mitwissenden; inwieweit, kommt auf den Einzelfall an. Das Verhalten unterstützt die Täter immer und fördert entsprechende Handlungen.

Bei Fällen von Cybermobbing bietet der INTER CyberGuard neben einer psychologischen Betreuung auch die Löschung der beleidigenden oder kompromittierenden Inhalte aus dem Netz sowie bei Bedarf eine juristische Beratung – Warum macht ein solcher Komplett-Service wiederum auch aus psychologischer Sicht Sinn?

Weil genau diese Kombination der Maßnahmen vor allem dem Opfer ein Gefühl der wiedergewonnenen Unterstützung und gefühlten Sicherheit zurückgibt – und genau darauf kommt es für die Opfer an.

Was meinen Sie ganz grundsätzlich: Sind wir gesellschaftlich und individuell schon ausreichend sensibilisiert, wenn es um Cybermobbing geht?

Nein. Mehr ist in diesem Falle auch mehr, d.h. mehr Sensibilisierung auf allen Ebenen führt zu einem besseren Schutz für potenzielle Opfer vor Cybermobbing. Medienerziehung sollte zu einer festen Instanz in Schulen und Einrichtungen für Kinder und Jugendlichen werden. Da ist Deutschland leider auch in Europa nicht gut aufgestellt.

Welchen Aspekt, den wir bislang noch nicht thematisiert haben, finden Sie selbst noch erwähnenswert?

Die Digitalisierung der Gesellschaft hat wie jeder Fortschritt und jede Entwicklung einerseits Möglichkeiten, die uns alle weiter bringen und das Leben erleichtern. Andererseits hat auch die Digitalisierung ihre Herausforderungen, denen wir uns alle stellen müssen. Die richtige Balance zu finden ist vital. Glorifizierung der Digitalisierung ist genau so wenig hilfreich für gesamtgesellschaftliche und globale Entwicklung wie eine pauschale Ablehnung oder einseitige Betonung der Risiken. Der goldene Mittelweg ist wie immer der nachhaltig zielführende.

So schützt Sie der INTER CyberGuard vor Cybermobbing:

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